Theresas Filmtipp: Der blinde Fleck

Kurz gesagt
„Der blinde Fleck“ ist ein spannender Polit-Thriller rund um die eigenständigen Ermittlungen des Journalisten Ulrich Chaussy und des Anwalts Werner Dietrich zum Oktoberfestattentat 1980, basierend auf wahren Gegebenheiten. Der Film löste nach seiner Premiere im Jahr 2013 eine erneute öffentliche Diskussion über das schwerste Attentat seit dem 2. Weltkrieg aus. Ein Jahr später wurden die Ermittlungen auf Drängen des Anwalts Werner Dietrich wieder aufgenommen.

Um was geht’s ?
26. September 1980. An einem Freitagabend erschüttert ein Knall die belebte Theresienwiese. Eine selbstgebaute Bombe aus TNT, deponiert in einem Mülleimer nahe dem Ausgang zur Wirtsbudenstraße reißt 13 Menschen in den Tod, zerfetzt mehrere Dutzend Gliedmaßen und verletzt über 200 Menschen. Von diesem Chaos berichtet der engagierte Journalist Ulrich Chaussy (Benno Fürmann), bis die Behörden das bequeme Ergebnis ihrer Ermittlungen veröffentlichen: Der 21-jährige Gundolf Köhler wird als Einzeltäter präsentiert, der sozial-isoliert und frustriert den Anschlag plante und ausführte.
Chaussy ermittelt von nun an auf eigene Faust und sucht mit dem Anwalt einiger Opfer, Werner Dietrich, nach weiteren Spuren. Zeugenaussagen, die sich widersprechen, heiße Spuren, die ganz offensichtlich nicht verfolgt wurden und Verbindungen zur Wehrsportgruppe Hoffmann, die in den Ermittlungen keine Rolle spielen, bestärken die beiden in ihrem Verdacht, dass es sich nicht nur um die Tat eines jugendlichen Einzeltäters handelt. Chaussy und Dietrich führen ins rechte Milieu und bis zum Staatsschutz. Damit blickt der Film sehr kritisch auf die Arbeit des Verfassungssschutzes und dessen Fehleinschätzung hinsichtlich des Rechtsextremismus in Deutschland. Vor allem mit dem Leiter des bayrischen Verfassungsschutzes und maßgeblichem Akteur der Ermittlungen, Hans Langemann (Heiner Lauterbach) gerät Chaussy aneinander.
Bei seinen Recherchen wird Chaussy maßgeblich von einer anonymen Quelle unterstützt, der ihn mit Ermittlungsakten versorgt. Chaussy spricht mit Zeugen, deren Aussagen sich nicht im Abschlussbericht wiederfinden und stößt auf unzählige Ungereimtheiten, beispielsweise eine menschliche Hand, die am Tatort gefunden wurde und keinem der Opfer zugewiesen konnte.
Der Anwalt Dietrich beantragte 1984, beauftragt von den Opfern, die Wiederaufnahme der Ermittlungen – erfolglos, da die Anfrage in einer sehr kurzen Presseerklärung mit Hinweis auf die alleinige Täterschaft Köhlers abgewiesen wird.
Die Ermittlungen von Chaussy werden immer heißer, bis er beschattet wird und Drohbriefe erhält. Unter diesem Druck beendet er zunächst die Nachforschungen. 20 Jahre später, im Jahr 2006, nimmt er diese wieder auf und versucht, an die Unterlagen der Ermittlungen zu gelangen. Es stellt sich jedoch heraus, dass viele Beweisstücke bereits vernichtet wurden – damit endet der Film so frustrierend wie die Ermittlungen.

Fazit
Den Film finden wir deswegen so spannend, weil die Ermittlungen zum Oktoberfestattentat erst kürzlich einen neuen Drive bekommen haben: Auf Anzeige des Anwalts Werner Dietrich wurde im Dezember der Chef der Soko ersetzt – gegen ihn und fünf weitere Mitglieder des LKA wird ermittelt, weil sie V-Männer im Rockermilieu gedeckt haben sollen. Außerdem machen die Originalsequenzen aus der Berichterstattung zum Oktoberfestattentat den Film besonders authentisch.

Terror damals & heute
Während in den 1980er Jahren alle auf den Terror von Links (RAF) schauten traf ein Rechtsextremer mitten ins weiß-blaue Herz der Bundesrepublik – bis heute das schwerste Attentat in Deutschland seit dem 2. Weltkrieg. Die Ermittlungsergebnisse sind bis heute ziemlich unbefriedigend und werden nicht umsonst von Opfern, JournalistInnen und der Politik massiv kritisiert.
Heute fürchten wir uns vor dem Terror aus einer anderen Ecke. Unabhängige JournalistInnen, die den Behörden auf die Finger schauen finden wir wichtig, deswegen erhält „Der blinde Fleck“ von uns das Prädikat „besonders wertvoll“ (wie auch von der der Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW) ).

Links zum Oktoberfestattentat – hier geht es weiter
Die interaktive Webdokumentation auf oktoberfest-attentat.de (http://story.br.de/oktoberfest-attentat/#/chapter/1/page/2) zeigt originale Film- und Tonaufnahmen zur Berichterstattung nach dem Attentat. Ansprechend und informativ wird eine Fülle von Informationen rund um das Oktoberfestattentat präsentiert.

Liebe Grüße
Theresa Torriani